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Unrecht aktuell - JagdrechtTierschutzbund prangert Jagd auf Haustiere an(Dieser Artikel erschien am 26.02.2005 in der Zeitung "Marktplatz Oberbayern"/ Autor: Boris Forstner) Dutzende Haustiere werden jeden Tag in Bayern von Jägern erschossen, klagt der Tierschutzbund Bayern. Für die betroffenen Halter sei das ein Drama: "Wenn Hunde vor den Augen von Kindern getötet werden, sind die über Jahre traumatisiert", sagte die Vize-Vorsitzende Tessy Lödermann in München. Sie fordert ein totales Abschussverbot, denn die bestehenden Gesetze werden ihrer Meinung nach nicht beachtet. Mit hängenden Köpfen und traurigen Blicken sitzen Nicole Hallek und Irmgard Rollwa auf ihren Stühlen neben Lödermann. Vor ihnen liegen Bilder ihrer Lieblinge, Katze "Möhrli" und Hündin "Coco". Die Rottweilerhündin von Rollwa ist im November nahe Traunstein nur 20 Meter von ihr entfernt beim abendlichen Spaziergang erschossen worden. Obwohl der Jäger 650 Euro Schadensersatz überwies, wurden die Strafanzeigen gegen ihn eingestellt - der Jäger hatte plötzlich behauptet, "Coco" habe zwei Rehe gehetzt. "Aber das stimmt nicht, das haben auch Fakten wie Vermessungsprotokolle und Entfernungsabstände ergeben", beteuert Rollwa. Bei Hallek war es vor über zwei Jahren ähnlich. Sie lebt nahe Augsburg an einem Waldrand, und nur 50 Meter vom Haus entfernt wurde ihre Katze mitten auf einer Wiese erschossen. "Ich bin dem flüchtenden Schützen noch durch das Dickicht hinterher, aber er ist mir entkommen." Nachdem sie die Polizei eingeschaltet hatte, stellte sich heraus, dass ein Jagdgast ihre Katze auf dem Gewissen hatte. Obwohl der Mann im Zivilverfahren zu 380 Euro Schadenersatz verurteilt wurde und gestanden hat, wurden die Strafanzeigen eingestellt. Nach Ausschöpfung aller Instanzen hat sich Halleka nun ans bayerische Justizministerium gewandt, aber das habe sich für nicht zuständig erklärt. Dennoch kämpft sie weiter, auch für andere Betroffene innerhalb der "Initiative jagdgefährdeter Haustiere": "Meine Katze soll nicht umsonst gestorben sein." Solche Vorfälle passieren laut Lödermann täglich. 400 000 Katzen und 65 000 Hunde werden Schätzungen zufolge jedes Jahr von Jägern getötet. Die Zahl stützt sich auf das Bundesland Nordrhein-Westfalen, denn nur dort sind abgeschossene und in Fallen gefangene Haustiere meldepflichtig. Und die Bilanz aus dem Jagdjahr 2002/2003 weise allein dort fast 18 000 getötete Katzen und 211 Hunde aus. "Dass vor Gericht so viele Fälle abgeblockt werden, ist nur damit zu erklären, dass ein großer Teil der Justizvertreter der Jagd zugeneigt sind", behauptet Tierschutzbund-Rechtsexpertin Evelyn Ofensberger. Lödermann zielt auch auf die Jägerschaft. Denn seit 1996 reicht es nicht mehr zur Schusserlaubnis, wenn ein Hund in einem Revier umherstreift und sich von seinem Besitzer entfernt hat. Er muss tatsächlich erkennbar einem Wild nachstellen. Katzen dürfen nur geschossen werden, wenn sie mehr als 300 Meter vom nächsten bewohnten Gebäude angetroffen werden. "Doch im Jagdverband muss kein Jäger Konsequenzen fürchten", sagt Lödermann und wedelt mit vier Strafanzeigen allein aus der vergangenen Woche. Schlimmstes Beispiel sei der Niederbayern-Chef des Jagdverbands, der in einer Ortschaft mit einer Schrotflinte auf einen Schäferhund gefeuert habe und sogar noch heimgefahren sei, um mit neuer Munition seine Tat zu vollenden. Trotz Verurteilung zu einer Geldstrafe sei der Mann weiter im Amt, schimpft Lödermann. Er hatte 50 Tagessätze zu 50 Euro Strafe erhalten - der Jagdschein ist erst ab 60 Tagessätzen weg. |
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