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Unrecht aktuell / Jagd & Tierschutz

Offener Brief an den Jägerlobbyisten Prof. Dr. jur. Johannes Dietlein

Meine Antwort auf den klientelgezüchteten Aufsatz „Die Zukunft des Revierprinzips“ von Prof. Dr. jur. Johannes Dietlein, hinter dem sich die Jagdlobby verschanzt nach dem gängigen Motto „Ist alles rechtmäßig, was wir machen“.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Johannes Dietlein,

ich habe gerade Ihren vorgenannten Artikel gelesen. Großartig, Ihre Lobbyarbeit für Görings Jagdrecht nach dem Motto, "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing". Und Jäger dürften Sie unumstritten auch sein.

Sie wollen doch nicht ernsthaft die "normative Kontinuität" eines Gesetzes, in welchem nachweislich die Wurzeln des Faschismus begraben sind, welches Jägern nachweislich erlaubt, jedes Jahr 1.500 Tonnen Blei in die Natur zu blasen, welches nachweislich die Tollwutausbreitung begünstigt, welches nachweislich zum Rückgang bedrohter Tierarten beiträgt und nachweislich die Artenvielfalt reduziert, welches nachweislich Verbiss-Schäden forciert, welches nachweislich Tiere traumatisiert, welches nachweislich tierquälerische Handlungen legitimiert, welches nachweislich Tiere mit Folterinstrumenten quält, welches nachweislich Hunderttausende von Haustieren willkürlich hinrichten lässt, dessen wahren Hintergründe - nämlich die Lust am Töten und ein wahnhafter Herrschaftstrieb - von Lobbyisten wie Ihnen nachweislich verschleiert werden und dessen Abschaffung längst überfällig ist,

"als Indikator für die Güte der gesetzlichen Regelung"

bezeichnen?

Alexander v. Humbolt, ein renommierter deutscher Naturforscher (1769-1859), sagte zu recht:

"Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen. Sie ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes."

Lesen Sie den zweiten Satz bitte noch einmal ganz genau, denn er bringt die Problematik auf den Punkt.

Übrigens, kennen Sie folgende Tatsachen (ich konnte diese Fakten Ihrem klientelgezüchteten Aufsatz nicht entnehmen):

Obgleich ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP und der SS wurden die Nazis Scherping (SS-Brigadeführer und Mitarbeiter im Stab Himmlers) und Frevert (Mitglied der SS und Führer eines Polizeibataillons, welches für die Zerstörung polnischer Dörfer und die Erschießung mehrerer hundert bis tausend Personen im Bialowieser Wald verantwortlich war, einzig um dieses Gebiet als Staatsjagdrevier zu "befrieden") nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes in Amt und Würden der deutschen Jägerschaft der Nachkriegszeit gehalten. Walter Frevert konnte sich dabei bis weit über seinen Tod hinaus einen hervorragenden Ruf als Jagdschriftsteller und Wegbereiter des jagdlichen Brauchtums profilieren, während Ulrich Scherping bereits 1953 zum Hauptgeschäftsführer des Deutschen Jagdschutz-Verbandes berufen wurde, der bis heute eine Monopolstellung in der Bundesrepublik genießt (Quelle: "Jagd und Jäger in der modernen Gesellschaft - Ambivalenz und Notwendigkeit", von Klaus Maylein).

Zu guter Letzt erlaube ich mir, sehr geehrter Herr Prof. Dr. Johannes Dietlein, den von Ihnen zitierten Ausspruch von Charles Louis Montesquieu (der sich im Grab umdrehen würde, wenn er wüsste, in welchem Zusammenhang Sie ihn hier zitieren)

"Wenn es nicht notwendig ist, ein Gesetz zu ändern, dann ist es notwendig, es nicht zu ändern"

wie folgt abzuändern:

"Wenn eine niedere Lobby-Diktatur es nicht für nötig hält, ein Gesetz zu ändern, dann ist es notwendig, es selbst zu ändern".

Seien sie mutig und stellen Sie sich einer öffentlichen Diskussion mit mir. Ziehen Sie sich dabei aber bitte warm an, denn ich werde die von Ihnen vertreten Rechtsauffassungen im Detail juristisch widerlegen.

Mit freundlichen Grüßen



Dominik Storr

Rechtsanwalt


PS.: Diese Email wurde auf www.buergeranwalt.com veröffentlicht.