|
||
| Startseite | Profil | Interessenschwerpunkte | Service | Kosten | Recht aktuell| Unrecht aktuell | Standpunkte | ||
Die Mär vom Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Tiere (Artikel 20a Grundgesetz)Artikel 20a Grundgesetzes lautet: "Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung." Wenn dem so ist, frage ich mich, warum der Staat lebende Materie in Form von Böden, Pflanzen und Tieren immer noch wie Maschinen1 behandelt2? Wie konnte es ihm zum Beispiel gelingen, daß die Landwirte auf den natürlichen (kostenlosen!) Kreislauf des Bodens verzichten und statt dessen die benötigte Energie in Form von Kunstdünger und Öl teuer von den petrochemischen Konzernen kaufen? Die Folgen dieser staatlicherseits inszenierten "Grünen Revolution" treten erst allmählich ans Tageslicht. Sie half weder den Bauern noch dem Boden. Sie half erst recht nicht den Millionen von Hungerleidenden in der Dritten Welt3. Im Gegenteil: die Zahl der Hungernden wird immer größer. Die Landwirtschaft ist zudem der Wirtschaftsbereich, der die Umwelt am intensivsten schädigt4. Er kontaminiert nicht nur Grundwasser, Flüsse, Seen und Meere, sondern verringert auch die Bodenfruchtbarkeit, reduziert die Artenvielfalt, zerstört den Lebensraum und stößt doppelt so viel Treibhausgase aus wie ökologischer Landbau5. Und dennoch kämpft die Agrarlobby um die petrochemischen Konzerne oder den mächtigen Deutschen Bauern- und Raiffeisenverband (der obendrein den Landhandel mit Dünger, Chemikalien und Landmaschinen monopolartig dominiert) mit harten Bandagen, wenn es um eine Reform des landwirtschaftlichen Desasters geht6. Hat die Pharmaindustrie Ärzten und Patienten zu dem Irrglauben verführt, der Mensch benötige chemische Behandlung, um vital zu bleiben, so verdonnert die petrochemische Industrie die Landwirte dazu, den Boden immer massiver mit Chemikalien zu durchsetzen. Ein Milliardengeschäft auf Kosten des Bodens, der Bauern, der Verbraucher und der Tiere. Wußten Sie, daß eine europäische Kuh am Tag mit zwei Dollar subventioniert wird - das ist mehr, als ein Arbeiter in der Dritten Welt im Tagesdurchschnitt verdient. Der Zucker des Konzerns Südzucker (er teilt sich den Markt mit dem Giganten Nordzucker, beim Fleisch sind es die Riesen Süd- und Nordfleisch) ist in Afrika billiger als der dort heimische Rohrzucker. Wie kann das sein? Weil er durch Exportsubventionen bodenlos subventioniert wird7. Gleiches gilt für Milch, allen voran das Milchpulver von Nestlé. Auch Fleischprodukte aus unserer Massentierhaltung haben in vielen Ländern der Dritten Welt die beheimateten Erzeugnisse verdrängt. Die Folgen sind verheerend: Armut, Hunger, Bürgerkriege, Krankheiten, Massensterben und Landflucht entstehen. Durch die Aufrechterhaltung der hohen Subventionen an die Landwirtschaft können wir uns daher getrost als hauptverantwortliche Akteure für das Hungerdrama in der Dritten Welt bezeichnen8. Zudem rechnet sich die europäische Landwirtschaft nicht, wenn man bedenkt, daß dort etwa 50 Milliarden Euro im Jahr vernichtet werden. Zählt man die nationalen Fördermittel hinzu, erhält die Landwirtschaft allein in Deutschland Subventionen in Höhe von rund 20 Milliarden Euro jährlich. Von der durchschnittlichen Steuerlast einer dreiköpfigen Familie fließen somit jedes Jahr ca. 800 Euro in die staatliche Stützung unseres Nährstandes. Und dennoch gibt in Europa alle zwei Minuten ein Bauer seinen Hof auf, obwohl mehr Steuergeld verteilt wird, als die erbrachte Leistung am Ende wert ist und obwohl für den gesamten Agrarhaushalt der EU rund 60 % des gesamten EU-Budgets draufgehen. An den Subventionen mästen sich nämlich andere. Pars pro toto wären da die mächtigen vor- und nachgelagerten Liefer-, Handels- und Produktionsbetriebe zu nennen. Da die Nachteile der kapitalintensiven Landwirtschaft für jedermann sichtbar überwiegen, werden die Landwirte und Verbraucher von den Wundern einer noch intensiveren Technologie verführt - der grünen Gentechnik. In einer Epoche der Knappheit, so argumentiert man, könne das Problem des Hungers nur durch eine Steigerung der Erträge gelöst werden. Eine Mär, denn das Problem des Hungers wird definitiv nicht dadurch gelöst werden können, indem man lediglich eine neue ("harte") Technologie in ein durch soziale Ungerechtigkeiten völlig gestörtes gesellschaftliches System einführt. Über 840 Millionen Menschen leiden weltweit aus gesellschaftlichen und politischen Gründen an Hunger. Doch um den Welthunger zu bekämpfen, müssen nicht die Erträge gesteigert werden, wie die Gen-Industrie uns glauben machen möchte. Laut Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, könnten die weltweiten landwirtschaftlichen Erträge zusammengenommen etwa doppelt soviel Menschen ernähren, wie derzeit auf dem Planeten leben. Die zentrale Frage lautet daher nicht, wie man die Erzeugung steigern kann, sondern was man anbaut und wer sich wovon ernährt. Der kausale Zusammenhang von Gentechnik und Hunger ist bereits in Argentinien und Indien zu sehen, wo nach den USA die meisten Gen-Pflanzen angebaut werden. Seit Beginn des Anbaus spitzte sich dort die Hungersituation dramatisch zu, denn das Kultivieren von Gen-Pflanzen trieben die Länder weiter in eine exportorientierte, von Großbetrieben dominierte Landwirtschaft. Davon profitieren natürlich nur einige Wenige, während große Teile der Bevölkerung hungern und ihre Lebensgrundlage verlieren. Da das Verbreiten von Genpflanzen für die Lobby ein Milliardengeschäft ist, priesen deren Vertreter auf einer internationalen Konferenz in Köln die "neue" Technik als Rettung für die Menschheit. Sie sprachen vom Hungerleiden in der Dritten Welt und dem überlebenswichtigen Beitrag der Gentechnik für das Überleben der gesamten Menschheit. Sie lobten die Gen-Baumwolle Indiens in den Himmel, welche dort seit etwa 10 Jahren auf großer Fläche angebaut wird und statuierten sie als wahrhaften Segen der Industrie, der indischen Landwirten zu weit höheren Verdiensten verholfen habe. Dann meldete sich jedoch ein indischer Mitarbeiter der alternativen Nobelpreisträgerin Vandana Shiva9 zu Wort und berichtete detailliert über die Art und Weise, wie der petrochemische Konzern Monsanto in Indien eine Schreckensherrschaft über die Landwirte errichtet hat. In einem ersten Schritt wurden die Bauern mit den unsäglichen Methoden der modernen Werbung für die Gentechnik begeistert. Darin versprach ihnen die Lobby 80 Prozent höhere Erträge. Danach durften die Landwirte das im Durchschnitt vier mal so teure Saatgut auf Kredit kaufen. Im Gegenzug mußten sich die Bauern durch Knebelverträge verpflichten, auch das dazugehörige Gerät und alle sonstigen Hilfsmittel, wie chemischen Dünger etc. dazuzukaufen. Auch Gratissaatgut wurde großzügig an skeptische Landwirte verteilt. Eine Zeitlang ging dies gut. Anschließend folgte eine Mißernte nach der anderen. Die hochgepriesenen Genpflanzen wurden zusehends von Jahr zu Jahr schwächer. Die Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge nahm immer mehr zu. Dadurch mußten die Landwirte drastisch mehr Spritzmittel und chemischen Dünger hinzukaufen, was dazu führte, daß die Bauern Zins und Tilgung ihrer Kredite nicht mehr bedienen konnten und immer höhere Schulden anhäuften. Die finanzielle Lage wurde derart aussichtslos, daß viele Landwirte in Indien nur noch einen Ausweg sahen - Selbstmord. So brachten sich dort 25. 000 (!!) Gen-Bauern in den letzten 5 Jahren um. Das sind 13,7 Selbstmorde pro Tag, verschuldet durch die Segnungen der Gentechnik, die auch unsere Systempolitiker ungeprüft unter das Volk bringen (lassen). Noch hat der Konzern Bayer bei der EU-Kommission Zulassungsanträge für Gen-Reis, Gen-Raps und Gen-Mais gestellt. Doch möchte die Mehrheit der Verbraucher Gen-Food weder essen, noch lassen sich diese Pflanzen in Europa anbauen, ohne die natürliche Saat durch den Pollenflug auszurotten. Oder wußten Sie, daß der Pollen des Gen-Raps mehr als 20 Kilometer weit fliegt? Die Eidgenossen sind hinsichtlich dieser Problematik übrigens schon viel weiter als wir, denn in der schweizerischen Bundesverfassung ist folgende Bestimmung enthalten: "Der Bund erläßt Vorschriften über den Umgang mit Keim- und Erbgut von Tieren, Pflanzen und anderen Organismen. Er trägt dabei der Würde der Kreatur sowie der Sicherheit von Mensch, Tier und Umwelt Rechnung und schützt die genetische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten." Fazit: Aus meiner Sicht entspricht der Drang des Menschen, zu forschen, zu entwickeln, zu verbessern und auszuprobieren einem natürlichen Prinzip der Natur. Gefährlich für die Allgemeinheit wird diese Neugier erst dann, wenn dahinter höchst unsoziale, machtpolitische und kriminelle Motive lauern - was wir gegenwärtig leider erleben. Insofern ist es auch wenig hilfreich, wenn die Bevölkerung zu Themen wie der Gentechnik oder der Atomenergie10 zusehends ideologisch gespalten, einseitig (des)informiert und radikalisiert wird. Alle Erfindungen des Menschen, jede Fortentwicklung der Technik, der Naturwissenschaften, der Nahrungs- und Genußmittel u.v.m. kann entweder zum Nutzen des Menschen und seiner Umwelt verwendet, oder machtpolitisch mißbraucht werden. Um dem entgegenzuwirken, muß zum einen jede Form von Bildung und Information entideologisiert werden, zum anderen würden reformierte Sozialstrukturen, wie das von mir vorgeschlagene verantwortungsvollere Miteinander der Menschen in kleineren (kommunalen und regionalen) demokratiefähigen Strukturen eine erhebliche Veränderungen zeitigen. Denn unsere gegenwärtige Systempolitik und die Verminderung von Lebensqualität durch die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen hängen unmittelbar miteinander zusammen. Die repräsentative Parteiendemokratie von heute, die zum Spielball starker Sonderinteressen geworden ist, benötigt immenses Wirtschaftswachstum, um die Lösung der drängenden Probleme unserer Zeit hinauszuschieben. Hinzukommt die Abhängigkeit der Sozialsysteme vom Faktor Arbeit, so daß eine Wachstumskrise die Anfälligkeit des herrschenden Systems der sozialen Marktwirtschaft offenbart. Aus ökologischer Sicht ist aber nicht das Wachstum des Bruttosozialproduktes oder anderer Indikatoren das eigentliche Problem. Problematisch ist lediglich das Ansteigen der mit dem Wachstum einhergehenden Verbrauchs von Materie und Energie. Die heutigen Systemparteien bieten jedoch keine Lösungen an, wie Wachstum in einer Marktwirtschaft möglich ist, ohne dabei immer mehr Rohstoffe und Energie zu verbrauchen. Die von mir geforderte Steuerung der Abgaben allein über den Konsum (umweltgefährdende Güter würden dann im Vergleich zu umweltverträglichen höher besteuert werden) und die Streichung aller Subventionen beantworten nämlich die aufgeworfene Frage, wie Wachstum in einer Marktwirtschaft möglich ist, ohne dabei immer mehr Rohstoffe und Energie zu verbrauchen11. Gegenwärtig erleben wir Deutschlands Ökobürokratismus, der zwar die Regale mit Gesetzen füllt, aber die Umwelt nicht entlastet, den Mittelstand und die Bürger - nicht so sehr die Konzerne - belastet, Ideologien schürt und die Kluft zwischen Ökologen und Ökonomen größer gemacht hat, als sie jemals zuvor war. Diese Kluft gilt es zu überwinden. Lesen Sie weiter: Die Mär von der gesamtdeutschen Verfassung (Artikel 146 Grundgesetz) 1 Die Natur wird von einem Teil der herrschenden Eliten immer noch als Maschine betrachtet, obwohl diese mechanistische Weltanschauung von der modernen Physik längst überholt ist. Die Erde ist keine Maschine, sie ist das Gegenteil, denn sie lebt, indem sie sich selbst reguliert und damit lebendig ist, wie ein Lebensnetz, daß alle Lebensbausteine in sich vereint, ebenso uns Menschen. Manche sehen die Erde daher auch als eine Frau an, die man unnachgiebig ausbeuten und sich zum Untertan machen könne. Desto unverständlicher erscheint, wenn ausgerechnet eine Frau namens Angela Merkel vollmundig in alle Öffentlichkeit posaunt, daß Wachstum und Arbeitsplätze viel wichtiger seien als Umweltschutz. 2 In einem internationalen Umwelt-Ranking landete Deutschland abgeschlagen auf dem 22. Platz - hinter Ländern wie Costa Rica und Kolumbien (Quelle: Pilot 2006 Environmental Performance Index [EPI]; dieser umfasst 133 Länder). 3 Nie waren Elend und Hunger größer: 100.000 Menschen sterben täglich am Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen, vgl. Jean Ziegler, "Das Imperium der Schande - Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung", Bertelsmann Verlag. 4 Aber auch andere Bereiche sind hier noch zu nennen. Die Umwelt hat keine Lobby, Großeingriffe in die Natur bringen daher gute Gewinne, mit denen sich dann multinationale Konzerne, die Weltbank (die Naturvernichtungsmaschine der Ersten Welt schlechthin - nicht erst unter Wolfowitz), die Deutsche Bank oder der Sparkassen- und Giroverband - vertreten durch die WestLB - schon gerne einmal brüsten. Auch die Bundesrepublik Deutschland zerstört(e) - auch unter Rot/Grün - im großen Stil Umwelt. Sie nickt immer noch heimlich gigantische Stauseen in Übersee ab und kanalisiert immer noch eifrig im Stillen (garniert mit einer beinahe unverschämt vordergründigen Hochwasserdebatte) Seen, Bäche und Flüsse. Sie setzt die Trockenlegung der letzten Feuchtwiesen fort und ist mit 120 Hektar/Tag Weltmeister im Flächenfraß (jedes Jahr wird damit eine Fläche von der Größe des Bodensees zubetoniert; England hat den Flächenfraß bereits jetzt gesetzlich auf 30 Hektar/Tag begrenzt). Sie gibt Jägern fortdauernd das Recht, unter Anmaßung hoheitlicher Herrschaftsrechte in der rar verbliebenen Natur auf wilde Tiere, Hunde und Katzen wie auf Indianer im Wilden Westen zu schießen und verteilt dabei allein an den Bayerischen Landesjagdverband jährlich etwa 500.000 Euro an Zuschüssen aus öffentlichen (Steuer-)Geldern. Sie plant fortwährend überdimensionierte Bauinfrastrukturmaßnahmen, die unseren Lebensraum zerpflügen und mit denen sich eine Schattenwirtschaft aus Politik und Wirtschaft bereichert. Sie gibt - so auch geschehen unter Rot/Grün, abgenickt von Herrn Fischer - aus dem Staatssäckel Hermesbürgschaften für die illegale Abholzung von Regenwäldern und predigt auf der anderen Seite vom globalen Umweltschutz. Der durchschnittliche pro Kopf CO2- Ausstoß liegt in Deutschland etwa 30 Prozent höher als der europäische Durchschnitt. Die Effizienz der Energienutzung liegt 15 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt. Das 100.000-Dächer Programm zur Solarförderung verschlang 200 Millionen Euro im Jahr, ein Reduktionseffekt an CO2 ist jedoch noch nicht einmal meßbar. Kohle wird von der Ökosteuer ausgenommen, erneuerbare Energien dagegen einbezogen. Der gängige Spruch "Deutschland ist Vorreiter im Umweltschutz" kann daher für Insider nur als eine Mär aufgefaßt werden. Bitte verinnerlichen Sie sich das. Und stellen Sie sich bitte die berechtigte Frage, was die Grünen in den letzten sieben Jahren gemacht haben. 5 Lesen Sie hierzu Thilo Bodes Buch "Die Demokratie verrät ihre Kinder". Thilo Bode, der aus der mittelständischen Wirtschaft stammt, war Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland sowie von Greenpeace International und arbeitet zur Zeit für seine eigens gegründete Nichtregierungsorganisation foodwatch e.V. (www.foodwatch.de). 6 Siehe Thilo Bode, a.a.O. 7 Die Exportsubventionen der EU beliefen sich 2001 auf ca. 10 Milliarden Euro. 8 Der Schaden, der durch die Exportsubventionierung des Zuckers z.B. in Südafrika entsteht, beträgt jährlich etwa 100 Millionen Euro. Im Gegenzug bezahlt die EU an Südafrika Entwicklungshilfe in Höhe von etwa 120 Millionen Euro im Jahr (Quelle Thilo Bode a.a.O.). Schizophren oder? Zweifacher Verlierer ist wieder einmal der Steuerzahler in Deutschland. 9 Die Inderin Dr. Vandana Shiva ist Quantenphysikerin, Agrarwissenschaftlerin, Philosophin und Autorin. Sie kämpft vor allem gegen die Abhängigkeit der indischen Bauern von den großen Agrarkonzernen und gilt als eine der wichtigsten globalen Aktivisten für Biodiversität (Artenvielfalt) und ökologische Landwirtschaft. Sie spielt im Kampf gegen die Gentechnik eine zentrale Rolle und tritt als Philosophin des Öko-Feminismus auf. 1994 erhielt sie für ihr Engagement den Alternativen Nobelpreis. Sie sagt, "es sei eine moderne Form des Kolonialismus, wenn etwa gentechnisch verändertes Saatgut aus sogenannten Entwicklungsländern als patentierbares geistiges Privateigentum gilt und damit den Handelszwecken von Unternehmen dient". 10 In den vergangenen Jahrzehnten hat wohl niemand beeindruckender die Mär der sauberen Atomenergie zerpflückt als Fritjof Capra in seinem Kultbuch "Wendezeit", Knaur Verlag (engl. Originaltitel: "The Turning Point"). Der Autor ist Physiker und sollte es wissen. Ich erlaube mir, die Ausführungen Capras kurz zusammenzufassen und ihn dabei - er wird es mir nachsehen - zum Teil wörtlich zu zitieren: Plutonium, nach Pluto, dem griechischen Gott der Unterwelt benannt, ist das bei weitem tödlichste aller nuklearen Abfallprodukte. Schon weniger als ein Millionstel Gramm, eine unsichtbare Menge also, wirkt für den menschlichen Organismus krebserregend. Ein Pfund davon gleichmäßig verteilt, könnte bei jedem einzelnen Menschen auf unserem Planeten Lungenkrebs erzeugen. Angesichts dieser Tatsachen ist es wirklich furcherregend, zu wissen, daß ein kommerzieller Reaktor im Jahr etwa fünfhundert Pfund Plutonium erzeugt. Plutonium ist zudem das langlebigste der Abfallprodukte des gefährlichsten Wasserkochers der Welt (durch die Atomspaltung wird lediglich ein Rad in Bewegung gesetzt): Plutonium bleibt etwa 500.000 Jahre giftig. Das ist mehr als hundertmal so lang wie die aufgezeichnete Menschheitsgeschichte. Es ist eine riesige Zeitspanne, nämlich fünfzigmal so lang wie die vom Ende der Eiszeit bis heute und mehr als zehnmal so lang wie unsere gesamte Existenz als homo sapiens. Solange muss Plutonium von der Umwelt isoliert bleiben. Keine menschliche Technologie kann zudem sichere Behälter für einen derart riesigen Zeitraum bauen. Niemand, auch wenn die Lobby anderes behauptet, nämlich die Mär der sicheren Atomenergie. Wir können es nicht. Basta. Der Physiker und Autor Capra weist in seinem Buch darauf hin, daß bei der Erzeugung von Kernkraft in jeder Phase, vom Abbau, über die Bearbeitung und Anreicherung des Urans, bei der Herstellung der Brennstäbe und dem Betrieb sowie bei der Unterhaltung des Reaktors bis zur Handhabung, Lagerung oder Wiederaufbereitung radioaktive Substanzen freigesetzt werden. Sogenannte Alpha-Teilchen, Elektronen und Photonen, die eine hohe Energie besitzen, die Haut durchdringen und Körperzellen schädigen. Zur Beurteilung der Gesundheitsrisiken der Radioaktivität weist Capra überdies darauf hin, daß es keinen sicheren Strahlungspegel gibt, im Gegensatz zu dem, was uns die befangenen Systempolitiker von CDU/CSU und der FDP weismachen wollen. Zum Zusammenhang zwischen radioaktiven Strahlen und Krebs lesen Sie bitte die Ergebnisse der Studie "The Menace of Atomic Energy" von Nader u. Abbots. Von der militärischen Nutzung der Atomenergie sprechen wir lieber erst gar nicht. Die Kernkraft schafft aber auch noch andere ungelöste Probleme: Dazu gehört das verdrängte Problem, Kernreaktoren am Ende ihrer nutzbringenden Existenz stillzulegen und abzubauen. Obendrein gehört die Entwicklung der "Schnellen Brüter" dazu, die Plutonium als Brennstoff nutzen und weit gefährlicher als alle anderen Reaktoren sind. Denken sollte man nach Ansicht Capras auch an die Gefahr eines nuklearen Terrorismus und den daraus folgenden Verlust bürgerlicher Grundrechte in einer totalitären "Plutonium-Wirtschaft" sowie an die verheerenden wirtschaftlichen Konsequenzen der Verwendung von Kernenergie als kapital- und technologieintensive, hochzentralisierte Energiequelle. Der Gesamtumfang der beispiellosen Gefahren der nuklearen Technologie sollte es daher jedermann mehr als deutlich machen, daß diese Energieform voller Risiken, unwirtschaftlich, unverantwortlich und unmoralisch ist. Warum dann Atomenergie? Besessenheit von Machtwillen und Habsucht (lukrative Exportgeschäfte frohlocken die Lobby). Von allen verfügbaren Energien ist nach richtiger Auffassung Capras die Kernenergie diejenige, die zur höchsten Konzentration politischer und wirtschaftlicher Macht in den Händen einer kleinen Elite führt. Diese selbsternannte Elite ist nicht bereit, diese Technologie aufzugeben, selbst wenn sie genötigt ist, massive Milliarden-Subventionen aus Steuergeldern zu fordern (billige Atomenergie?) und einen großen Polizeiapparat zum Schutz dieser Technologie einzusetzen (Castor-Transporte!). Die Atomenergie kann man daher nach Ansicht Ralph Naders ruhig als das technologische Vietnam des industriellen Zeitalters bezeichnen (Herr Nader ist Anwalt und die Lanze der amerikanischen Umweltbewegungen). Wie lautet mein Energiekonzept? Hier die einfache Antwort: Durchbrechung des Energiekartells durch Schaffung eines freien Marktes mit gleichzeitiger Relegierung des demokratischen Selbstbestimmungsrechts auf die unterste Ebene - die Bürgerschaft (lesen Sie hierzu bitte den 3. Teil meines Plädoyers für ein alternatives Demokratie- und Rechtskonzept). Diese Maßnahmen würde automatisch zu einer Energiewende führen, indem sich der Energiemarkt per se auf regionale Ebene verschöbe. Pars pro toto wären da Wasserstoff, Photovoltaik, Thermosolar und Biomasse zu nennen. Den Bürgerschaften stünde es somit frei, auf alternative, dezentralisierte (sog. sanfte) Techniken der Energieversorgung umzusteigen, um dadurch die Selbstversorgung zu stärken und obendrein mehr Flexibilität zu genießen. 11 Umweltschutz kann mit marktwirtschaftlichen Instrumenten viel besser erreicht werden als mit Bürokratie, Verboten und Subventionen. |
||
| Nutzungsbedingungen | Impressum | Links |