Offener Brief an die Gentechnik-Lobbyisten und Bundestagsabgeordnete Frau Dr. Happach-Kasan (FDP)

Meine Antwort auf den unsäglichen Auftritt der Gen-Lobbyistin bei dem gentechnikfreien Wochenende der Gendreck-weg-Initiative in Badingen/Brandenburg.

Sehr geehrte Frau Dr. Happach-Kasan,

vielleicht können Sie sich noch an mich erinnern. Wir begegneten uns kurz beim gentechnikfreien Wochenende in Badingen. Ich rief laut dazwischen, als Sie sich auf dem Podium unter Verbreitung von Unwahrheiten für die “grüne” Gentechnik aussprachen. Danach unterhielten wir noch eine kurze Konversation. Ich bezeichnete Sie als geistig korrumpiert, weil ich den Eindruck hatte, dass Sie tatsächlich idealistisch an das glauben, was Sie dort sagten.

In unserer derzeit fanatischen industrialisierten Kultur - sie sollte als fanatische Religion bezeichnet werden - ist die Politik und die Wissenschaft von Beginn an prostituiert worden. Parteisoldaten wie Sie sehen Politik und Wissenschaft nicht als Selbstzweck sondern nur als eine Quelle von immer neueren, härteren Techniken an, um die Natur und die Menschen zu beherrschen. Wenn Sie in der Lage wären, die Welt aus der “Gaia”-Perspektive zu sehen, würden Sie sich niemals für die “grüne” Gentechnik einsetzen. Denn diese Technik bedroht die Vielfalt dort, wo die Schöpfung uns die größte Fülle pulsierenden Lebens geschenkt hat. Sie hätten die schreckliche Bedrohung durch die transnationalen Patentfabriken wie Monsanto gefürchtet. Sie hätten gesehen, dass sich die freiwilligen Feldbefreier nicht primitiv verhalten (”Ihr Slogan lautet indes “Kein Faustrecht in Deutschland”), sondern aus tiefgehenden Motiven handeln, nämlich aus Ehrfurcht vor der Schöpfung.

Sie benötigen dringend eine neue Weltsicht, sehr geehrte Frau Dr. Happach-Kasan. Eine, die genaugenommen sehr alt ist, denn sie trugen bereits alle Kulturen inne, die westliche Technokraten wie Sie als primitiv erachten und ausrotten. Es gibt sie jedoch immer noch, die Menschen, die diese Weltsicht verinnerlicht haben - auch in der “zivilisierten Welt”. Sie trafen sie auf dem gentechnikfreien Wochenende in Badingen.

Die Weltsicht ist übrigens eine ganzheitliche Sicht des Kosmos mit unserer kleinen Erde “Gaia” als lebendiges System, von dem wir nur ein kleiner Teil sind (was durch die moderne Quantenphysik bestätigt wird).

Ein letztes Beispiel dafür, wie unzureichend und erbärmlich die wissenschaftlichen, politischen und ethischen Grundkenntnisse staatlich berufener Fachleute wie Ihnen sind, ist folgendes:

In Ihrem Flugblatt “Kein Faustrecht in Deutschland” schreiben Sie, dass die gentechnische Züchtung ethisch geboten sei, das sonst die sechs Milliarden Menschen auf der Erde nicht ernährt werden können. Eine Mär, denn das Problem des Hungers wird definitiv nicht dadurch gelöst werden können, indem man lediglich eine neue (”harte”) Technologie in ein durch soziale Ungerechtigkeiten völlig gestörtes gesellschaftliches System einführt. Über 840 Millionen Menschen leiden weltweit aus gesellschaftlichen und politischen Gründen an Hunger. Doch um den Welthunger zu bekämpfen, müssen nicht die Erträge gesteigert werden, wie Sie und Ihre Lobby glauben machen möchten. Laut Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, könnten die weltweiten landwirtschaftlichen Erträge nämlich zusammengenommen etwa doppelt soviel Menschen ernähren, wie derzeit auf dem Planeten leben.

Noch einmal: Laut Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, könnten die weltweiten landwirtschaftlichen Erträge zusammengenommen etwa doppelt soviel Menschen ernähren, wie derzeit auf dem Planeten leben. Die zentrale Frage lautet daher nicht, wie man die Erzeugung steigern kann, sondern was man anbaut und wer sich wovon ernährt. Verstanden?

Ob dieser Unwissenheit empfehle ich Ihnen dringend, meinen offenen Brief an Ihren Lobbykollegen Herrn “Gen”hofer zu lesen.

Ich hoffe, dass Wissen und Weisheit sich wieder vereinen, denn immerhin lebte der Mensch über 99 Prozent seiner Geschichte in relativem Einklang mit der Natur. Helfen Sie daher bitte mit, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen, indem Sie sich gemeinsam mit den anderen Politfunktionären aus den Parlamenten verabschieden und zurück zu den Technokraten in die Konzerne gehen. Sie haben im Bundestag als Vertreter von Sonderinteressen nichts (aber auch gar nichts) verloren.

Bitte geben Sie der neuen (alten) Weltsicht eine Chance und treten Sie zurück.

Mit freundlichen Grüßen

Dominik Storr
Rechtsanwalt

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